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Guernsey: Die Geheimnisse des Geheimtipps im Ärmelkanal


7. October 2010

Für viele Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Vogtei Guernsey ein Geheimtipp, den es erst einmal zu erkunden gilt. Doch auch für jene, die die ruhige Lebensart und die atemberaubenden Küsten bereits kennenlernen durften, halten die Guernsey-Inseln immer einige Überraschungen und faszinierende Geschichten parat. Fünf Fakten, die Sie vermutlich bisher nicht über Guernsey wussten:

1. Die Stufen von St. Paul’s Cathedral in London bestehen aus Guernsey-Granit.
Im 19. Jahrhundert war der Granitabbau einer der wichtigsten Wirtschaftszweige auf der Insel. Es ist heute kaum mehr vorstellbar, aber zu Hochzeiten wurde in 268 unterschiedlichen Steinbrüchen gleichzeitig gearbeitet. Ein Großteil des Guernsey-Granits wurde zur militärischen Verteidigung der Insel sowie für den Straßenbau im Vereinigten Königreich verwendet. Bis zum Jahr 1967, als die Exporte eingestellt wurden, waren mehr als vier Millionen Tonnen Granit aus Guernsey über den Ärmelkanal gelangt.

2. Nirgends auf den Britischen Inseln liegen Pub und Kirche so nah beieinander.
Laut dem Guinness-Buch der Rekorde liegt die Albion House Tavern an der malerischen Uferpromenade von St. Peter Port näher an einer Kirche als jedes andere Pub auf den Britischen Inseln. Zwischen einer Ecke der Taverne und einem vom Dach der „Town Church“ ragenden steinernen Wasserspeier liegen gerade einmal 30 Zentimeter.

3. Bis in die 1970er Jahre war die Tomate Guernseys wichtigster Exportartikel.
Mehr als 100 Jahre lang – etwa ab 1865 – war Guernsey berühmt für seine riesige Tomaten-Industrie, die der Insel beträchtlichen Wohlstand bescherte. Während der Boom-Phase in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bauten rund 2.500 Firmen auf Guernsey Tomaten an – in großen Gewächshäusern, die sieben Prozent der Inselfläche bedeckten. Zu dieser Zeit arbeitete etwa jeder Zweite der 60.000 Bewohner Guernseys im Tomatenanbau.

4. Der große Schriftsteller Victor Hugo lebte 15 Jahre lang im Exil auf Guernsey.
Nach seiner Flucht aus Frankreich, wo er gegen die napoleonische Herrschaft opponiert hatte, lebte Victor Hugo von 1855 bis 1870 auf Guernsey. Seine Jahre auf der Insel gehörten zu den produktivsten seiner ganzen Schriftsteller-Karriere: Sowohl „Les Misérables“ als auch „Les Travailleurs de la Mer“ vollendete er in seinem Wohnsitz in St. Peter Port – dem Hauteville House, das sich heute noch im Originalzustand besichtigen lässt.

5. Normannisches Französisch ist – neben Englisch – immer noch die offizielle Sprache des Justizwesens und der Gerichtsbarkeit von Guernsey.
Ursprünglich war Guernsey Teil des Herzogtums Normandie. Königin Elisabeth II. trägt deshalb als Staatsoberhaupt der Insel den offiziellen Titel „Duke of Normandy“. Ein Großteil des Justizwesens der Insel basiert auf den Traditionen des alten normannischen Rechts, was sich auch häufig in der Sprache bemerkbar macht, die im politischen und juristischen System Guernseys verwendet wird: Ein parlamentarischer Gesetzesentwurf heißt „Projet de Loi“ und Grundbucheinträge wurden bis 1969 nur auf Französisch vorgenommen. Das Büro des königlichen Gerichts von Guernsey wird „Greffe“ genannt und der Bürovorsteher ist der „Greffier“. Wenn jemand insolvent ist und seine Schulden nicht mehr bezahlen kann befindet er sich in der Rechtssprache „en désastre“!

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